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„Stift Haug"  – der Name der prächtigen Pfarrkirche erinnert an eine geistliche Institution, deren Geschichte weit vor den frühbarocken Kirchenbau zurückreicht, nämlich an eine romanische Stiftskirche mit einer dazugehörigen Pfarrkirche, die außerhalb der Mauern des alten Würzburg lagen – dort wo sich heute das Areal des  Hauptbahnhofs befindet.

Stift Haug Holzschnitt

Historische Ansicht Würzburgs

Um das Jahr 1000 gründete Bischof Heinrich I. von Würzburg (995/996-1018) das Kanonikerstift „Sankt Johannes in Stift Haug", beiden Johannes geweiht, dem Täufer und dem Evangelisten. Den Namen „Haug“ leitete man von seiner Lage auf einem Hügel (mittelhochdeut. „houc“) ab. Die Bewohner des Stifts, eine Gemeinschaft von Klerikern, waren demnach „die Herren vom Hügel“ (oder Berg).

In einer Urkunde Kaiser Heinrichs II. wird die Neugründung 1002 erstmals genannt. Bischof Heinrich erhielt für seine Gründung vom Kaiser reiche fürstliche Zuwendungen (dazu gehörten die Abtei Forchheim, das Dorf Erlangen, Güter  im Schweinfurter Raum und im Ochsenfurter Gau sowie in Coburg). Das Hauger Viertel wuchs zur größten der Würzburger Vorstädte heran. Die neben dem Stift erbaute Pfarrkirche St. Johannes lag nordöstlich der Stiftskirche, die Pfarrei ist als „parrochia sancti Johannis“ erstmals Anfang des 11. Jahrhunderts in einem Besitzverzeichnis der Domkustodie erwähnt, weshalb man im Jahr 2015 in Stift Haug 1000 Jahre Pfarrei feierte (vgl. Festschrift 2015). Stift Haug ist zudem „Mutter“ der Würzburger Pfarreien St. Gertraud, St. Josef/Grombühl und St. Barbara.

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Denkmal des Stifters von Stift Haug

Das schutzlos vor der Stadt liegende Stift war in unruhigen Zeiten oft gefährdet, wurde häufig geplündert und beschädigt, letztmalig im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Die schwedischen Soldaten begannen die Kirche abzureißen. Bereits im Jahr 1637 jedoch konnte die wieder hergestellte romanische Stiftskirche neu eingeweiht werden. Nur wenig später wurde eine größere Befestigung der Stadt Würzburg geplant und dieser standen die Stiftkirche, die Pfarrkirche und alle dazu gehörige Gebäude im Wege. So wurde 1657 der gesamte Komplex abgerissen, der Hügel abgetragen. Zwischen 1670 bis 1691 entstand dann innerhalb der Stadt die neue frühbarocke Kirche, die heutige Hauger Pfarrkirche. Antonio Petrini schuf mit ihr den ersten barocken Großbau in Franken. Durch die Säkularisation 1803 wurden die Würzburger Stifte – auch Stift Haug – durch den Bayerischen Staat aufgehoben, das Vermögen eingezogen. Die Stiftskirche ging in Staatsbesitz über, blieb aber als Pfarrkirche erhalten.

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 Darstellung des Evangelisten Lukas

Beim Luftangriff auf Würzburg am 16. März 1945 war die barocke Stiftskirche fast völlig ausgebrannt. Kuppel und Turmhauben waren zerstört, nur wenige Kunstwerke, wie das Stifterdenkmal für Bischof Heinrich und die Figur des Evangelisten Lukas blieben erhalten. Der Wiederaufbau dauerte von den Sicherungen der Bausubstanz bis zur modernen Konzeption der Inneneinrichtung und ihrer Verwirklichung bis zum Jahr 1965. Für diese Neugestaltung stellte die Bayerische Staatsgemäldesammlung das große Altarbild, die „Kreuzigung Christi“ des venezianischen Künstlers Jacopo Tintoretto von 1585 zur Verfügung.

Tintoretto

 Altargemälde von Tintoretto

Die heutige Ausstattung mit einer aktuellen und sehr gelungenen Anpassung an die liturgischen Anforderungen wurde bei der letzten Innenrenovierung von 2002 bis 2005 nach Plänen von Dr. Jürgen Lenssen umgesetzt.

 

Innenansicht der Kirche vom Altarraum aus

 Kirche

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